Baslerstab Bericht, 18.05.2005


 

Homosexualität und Kinder
Schwule Eltern – na und?

Die Juristin Eylem Copur zu gleichgeschlechtlichen Paaren und Kindswohl.

Wie vertragen sich gleichgeschlechtliche Partnerschaft und das Wohl eines Kindes? Braucht ein Kind ein heterosexuelles Paar als Eltern, damit es gesund aufwächst? Oder ist anderes wichtiger als die sexuelle Orientierung der Eltern? Die Juristin Eylem Copur hält im Rahmen der Pink Festspiele am Mittwoch einen Vortrag zum Thema.

Frau Copur, braucht ein Kind einen Mann und eine Frau um sich, um natürlich und gesund aufzuwachsen? Gibt es dazu Studien?
Viele führen das Argument an, dass ein Kind ein gemischtgeschlechtliches Paar brauche, gerade auch, um seine sexuelle Orientierung zu finden. Doch es gibt Langzeitstudien, die zeigen: Die sexuelle Orientierung ist bei Kindern, die etwa bei einem lesbischen Paar aufwachsen, genauso ausgestaltet wie bei Kindern heterosexueller Eltern. Viel wichtiger als die sexuelle Orientierung der Eltern ist für ein Kind, dass es in stabilen Verhältnissen aufwächst und mit Liebe und Verantwortung gross wird. Die sexuelle Orientierung der Eltern ist beim Vermitteln dieser Grundwerte zweitrangig. Zudem wird ein Kind auch nicht ausschliesslich von seinen Eltern geprägt. Auch gesellschaftliche Einflüsse spielen eine grosse Rolle.

Manche behaupten: Schwule und Lesben können zusammen keine Kinder zeugen, also sollen sie auch keine haben, das sei von der Natur nicht vorgesehen.
Stimmt, zusammen können gleichgeschlechtliche Paare keine Kinder zeugen. Aber einzeln sind sie sehr wohl zeugungsfähig. Dass beide Elternteile auch die biologischen Eltern sind, ist heute auch bei gemischtgeschlechtlichen Paaren häufig nicht mehr der Fall. Die Partner bringen Kinder aus früheren Beziehungen in neue ein, Kinder werden adoptiert, es gibt Stiefeltern. Die biologische Fähigkeit einer Paargemeinschaft, ein Kind zu zeugen, ist meiner Meinung nach überbewertet. Auch hier gilt: Es gibt Wichtigeres für ein Kind, als dass es von denen, die es mit Liebe grossziehen, gezeugt wird.

Auch wenn am 5. Juni das Partnerschaftsgesetz angenommen wird, dürfen schwule und lesbische Paare keine Kinder adoptieren. Halten Sie das Gesetz darum für unvollständig?
Nein, denn der Gesetzgeber hat für Schwule und Lesben, die Kinder haben, schon ein paar Regelungen geschaffen. Für den Alltag ist das sehr wichtig und auch ein grosser Schritt. Er hat nicht berücksichtigt, dass Schwule und Lesben auch eigenständig Kinder bekommen oder adoptieren wollen. Der Adressat des Partnerschaftsgesetzes ist primär das Paar und nicht die Familie.

Ganz zufrieden sind Sie mit dieser Lösung aber nicht?
Soll das Kindeswohl im Zentrum stehen, wird das Gesetz meiner Meinung nach früher oder später erweitert werden müssen. Andere Länder, etwa in Skandinavien, sind da weiter als die Schweiz. Selbst das katholische Spanien hat sein Familienrecht dahingehend revidiert.

Interview: Ildiko Hunyadi

«The gay famiiy project», Vortrag von Eylem Copur im Unternehmen Mitte, Weinbar, Mi, 18. Mai, 20 Uhr. Eintritt frei.


«
Home
« Contact &
Newsletter bestellen